Landschaftspflege

gemeinsam unsere Kulturlandschaft erhalten

 

Die Landschaft um uns herum ist das Ergebnis generationenlanger Nutzung. Unsere Vorfahren haben einige Bereiche geschaffen, die sehr artenreich und auch heute noch äußerst beeindruckend sind. Einige 'Restbereiche' dieser 'Landschaft unserer Großeltern' konnten sich bis heute bewahren.

 

Durch unseren jährlichen bezirksweiten Landschaftspflegetag wollen wir gemeinsam ein solches Stück historische Kulturlandschaft durch unseren Einsatz wieder in den ökologisch optimalen Zustand versetzen.

 

Wie entstand unsere Kulturlandschaft?

Natur pur ist eintönig. Ohne fremde Einflüsse hätten wir fast überall Wald. In unserem Bezirk meist einen Platterbsen-Buchenwald mit der Rotbuche, Hainbuche, Ahorn, Eiche und wenigen anderen.

 

Bereits in der Jungsteinzeit, rund 6.500 Jahre v. Chr., begann der Mensch in Mitteleuropa sesshaft zu werden und die Landschaft zu kultivieren. Emmer und Einkorn, Erbsen und Linsen wurden mit Grabstöcken in Waldlichtungen angebaut, Tiere domestiziert.

 

Der Wald bildete die Grundlage um sesshaft zu werden: Er wurde beweidet, sein Holz wurde vielfältig genutzt, er bot Futter für das Vieh -auch im Winter- und seine Streu kam in den Stall. Der Wald wurde durch die Nutzung lichter, kleinflächig auch gerodet. Auf den neu entstandenen Freiflächen fanden sich viele Arten ein, die bisher durch den dunklen Wald verdrängt wurden – die Anzahl der Pflanzen nahm durch diese kleinflächige Nutzung stark zu!

 

Kulturlandschaft heute

Seit Mitte des 18’ten Jahrhunderts hat die Vielfalt der Landschaft stets abgenommen. Einerseits wurden die Maschinen zur Bestellung der Felder nun motorgetrieben und konnten weit größere Flächen bearbeiten, andererseits kam der Kunstdünger auf, der auch mageren Böden noch ansehnliche Ernten entlockte.

 

Viele ertragsschwache Flächen, auf denen einst eine Vielzahl an Kräutern wuchs, wurden mit modernen Methoden zu flächigem Ackerland umgewandelt. Feldraine, breite Waldsäume, Hecken und feuchte Senken verschwanden aus unserer Landschaft. Und mit ihnen viele Tier- und Pflanzenarten. Die ‚Rote Liste‘ wurde immer länger.

 

Heute bezeichnen wir unsere Landschaft oft als ‚Ausgeräumt‘ – wie ein Haus, das wir verlassen.

 

Die Lebensräume unserer Kulturlandschaft

Die Landschaft, wie wir sie heute kennen, besteht fast ausschließlich aus menschlich beeinflussten Flächen. Manche, dieser von unseren Vorfahren gestalteten Bereiche sind zum Lebensraum vieler Arten geworden - Artvorkommen, die wir erhalten wollen.

 

Besonders wertvolle Lebensraumtypen unseres Bezirkes möchten wir hier präsentieren:

 

Hecken bieten Lebensraum für die Hälfte aller einheimischen Säugetiere, für sämtliche Reptilien, für ein Drittel aller heimischen Amphibien, für ein Fünftel der heimischen Singvögel sowie für unzählige Insekten. Erdkröten, Igel, Feldhase, Rebhuhn, Fuchs, Eulen, Neuntöter, Raubwürger oder Bussard – um nur einige der über 1000 Tiere zu nennen, die in Hecken angetroffen werden können. Ursprünglich am Feldrand entstanden und als Lieferant für Brennholz genutzt ist die Hecke heute vielfach komplett verschwunden oder droht zu überaltern. Eine sinnvolle Pflege der Hecken ersetzt diese ursprüngliche Nutzung und erhält die hohe ökologische Wertigkeit.

 

Magerrasen sind auf Flächen entstanden, die weit entfernt von den ursprünglichen Siedlungen lagen. Sie wurden selten genutzt und auch nicht gedüngt. Auf den trockenen Böden - oft mit sehr steinigem Untergrund - entstand eine artenreiche und blumenbunte Magerwiese, die heute zahllose Pflanzen und Tierarten beherbergt. Magerkeit fördert Artenvielfalt, da die mächtig wachsenden Pflanzen, die feinen und kleine Kräuter verdrängen, hier aufgrund des Nährstoffmangels nicht gedeihen können.

 

Steinriegel: Viele Generationen von Bauern lasen die Steine von der Feldoberfläche ab und lagerten sie platzsparend am Rande des Ackers – auf den ‚Lesesteinriegeln‘. Diese linearen Steinschüttungen bieten einen extrem trockenen und warmen Lebensraum, der gerne von Springspinnen, Mauerbienen, Zauneidechsen, Schlingnatter und Laufkäfern angenommen wird.
Werden keine neuen Steine aufgeschüttet, drohen die Steinriegel zu verbuschen. Mit zunehmender Beschattung dieses Lebensraumes nimmt die Feuchtigkeit zu und die Wärme ab. Der wertvolle Lebensraum geht verloren, wenn er nicht gepflegt wird.

 

Wacholderheiden sind meist schon mehrere Jahrhunderte alt. Durch die Wanderschäferei entstanden, beherbergen sie heute viele Arten, die auf unseren stark gedüngten landwirtschaftlichen Flächen keinen Platz mehr finden. Einige Arten wurden von den Schafen gemieden -aufgrund ihres Geschmackes oder ihrer Dornen- und sind noch heute häufig hier anzutreffen (z.B. Enzianarten, Silberdistel, Wacholder)